mit absagen umgehen lernen

Mit Absagen und Niederlagen umgehen lernen — was mir 30 Jahre Regie beigebracht haben

Ich liebe diese alte Parabel von den drei Fröschen.

Drei Frösche fallen in einen Topf Sahne. „O je, wir sind verloren“, stöhnt der erste und geht unter. Der zweite denkt: „Keine Sorge, irgendjemand wird uns schon retten.“ Er wartet — und geht ebenfalls unter. Der dritte sagt sich: „Da bleibt mir nur zu strampeln.“ Er reckt den Kopf über die Oberfläche und strampelt, bis die Sahne zu Butter wird. Dann springt er aus dem Topf.

Die Geschichte ist über hundert Jahre alt und trifft trotzdem genau das, worum es beim Umgang mit Absagen geht: Weder Schwarzsehen noch Abwarten bringt dich weiter. Nur das Strampeln.

Warum eine Absage so wehtut

Eine Absage fühlt sich selten nach „diesmal hat es nicht gepasst“ an. Sie fühlt sich nach „ich habe nicht gereicht“ an. Das ist der eigentliche Schmerz: Wir hören ein Urteil über uns, wo meistens nur eine Entscheidung über eine Sache gefallen ist.

Bei einem Pitch entscheidet oft das Budget. Bei einer Bewerbung die Besetzung des restlichen Teams. Bei einem Projektvorschlag der Zeitpunkt. Nichts davon hat mit deinem Wert zu tun — aber im Moment der Absage fühlt es sich genau so an.

Was ich als Regisseurin über Absagen gelernt habe

In der Werbung bewirbst du dich auf jeden Film. Für jeden Spot treten mehrere Regisseurinnen und Regisseure an, jede und jeder schreibt ein Konzept, entwickelt eine Bildsprache, investiert Tage. Gewinnen kann nur eine Person.

Ich habe in über 30 Jahren unzählige Male ein Nein gehört. Nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall. Als eine der ersten Werbefilm-Regisseurinnen in Deutschland kam manchmal noch etwas dazu: die Absage, bei der du ahnst, dass sie nicht dem Konzept galt.

Was ich daraus gelernt habe, ist nicht „dickes Fell“. Es ist etwas Anderes: Die Trennung zwischen der Entscheidung und mir selbst. Ein abgelehntes Konzept ist ein abgelehntes Konzept. Es ist nicht ich.

Diese Trennung fällt niemandem von Natur aus leicht. Sie ist eine Übung — wie alles, was mit Auftreten und Kommunikation zu tun hat.

Rede und Auftrittstraining

Fünf Wege, mit Absagen umzugehen

1. Den Schmerz zulassen, aber befristen

Eine Absage darf wehtun. Ärgere dich, sei enttäuscht — aber setz dir eine Frist. Bei mir war es immer der Abend. Am nächsten Morgen liegt der Fall bei den Akten und die Arbeit geht weiter.

2. Nach dem Warum fragen

Die meisten fragen nicht nach, aus Angst, aufdringlich zu wirken. Dabei ist eine sachliche Rückfrage völlig normal — und sie liefert dir das Einzige, was eine Absage wertvoll macht: Information. Oft erfährst du, dass es gar nicht an dir lag.

3. Zwischen Person und Sache trennen

Formulier die Absage für dich selbst um: nicht „ich war nicht gut genug“, sondern „mein Konzept hat für dieses Projekt nicht gepasst“. Das ist kein Schönreden, sondern meistens die genauere Beschreibung.

4. Die Zahlen ansehen

Wer sich auf zwanzig Stellen bewirbt und drei Absagen bekommt, hat kein Problem, sondern eine normale Quote. Rückschläge fühlen sich massiv an, weil wir sie einzeln erleben. Im Verhältnis betrachtet schrumpfen sie.

5. Weitermachen, bevor du dich bereit fühlst

Der dritte Frosch strampelt nicht, weil er zuversichtlich ist. Er wird zuversichtlich, weil er strampelt. Der nächste Versuch ist das, was den letzten verarbeitet.

Die andere Seite

Selbst Nein sagen

Wer viele Absagen bekommen hat, tut sich oft besonders schwer damit, selbst eine auszusprechen. Man weiß ja, wie es sich anfühlt.

Genau daran scheitern viele junge Führungskräfte. Sie übernehmen Aufgaben, die nicht ihre sind, sagen zu Terminen zu, die sie überlasten, und halten Kritik zurück, um niemanden zu verletzen. Am Ende leidet die Arbeit und die Beziehung gleich mit.

Ein gutes Nein hat drei Teile: die klare Absage, ein kurzes Warum, und — wo möglich — eine Alternative. „Das schaffe ich diese Woche nicht, weil der Abschlussbericht Vorrang hat. Ab Montag gerne.“ Das ist kein hartes Nein. Es ist ein transparentes.

Aushalten und aussprechen sind zwei Seiten derselben Fähigkeit. Beide sind trainierbar.

business coach mona el Mansouri

Frequently Asked Questions.

Frag höflich nach dem Grund, notier dir die Antwort und geh zum nächsten Verfahren über. Eine einzelne Absage sagt fast nichts aus — erst ein Muster über mehrere Gespräche hinweg gibt dir einen echten Hinweis.

Indem du die Entscheidung von dir trennst: Abgelehnt wurde ein Vorschlag, eine Bewerbung, ein Konzept — nicht deine Person. Diese Trennung ist Übungssache, keine Charakterfrage.

So lange sie eben wehtut. Hilfreich ist eine selbst gesetzte Frist, nach der du wieder handelst — nicht, weil der Schmerz weg ist, sondern damit er nicht die Regie übernimmt.

Klare Absage, kurzes Warum, wenn möglich eine Alternative. Unhöflich wirkt nicht das Nein, sondern das Ausweichen.

 

Aufgeben ist keine Option

Nicht weil jedes Nein dich automatisch stärker macht, sondern weil du beim nächsten Versuch etwas weißt, das du vorher nicht wusstest.

In meinen Trainings arbeiten wir an beidem: ein Nein aushalten und ein Nein aussprechen. Gemäß Frosch drei: strampeln, trainieren, dranbleiben.

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